eco Allianz: Der Rechenzentrumsboom muss auch in den Kommunen ankommen 

Berlin d. 07.07.2026 – Rechenzentren sind das Rückgrat der digitalen Transformation. Ohne sie funktionieren weder Cloud-Dienste noch KI-Anwendungen, digitale Verwaltung, industrielle Vernetzung, Cybersicherheit oder datengetriebene Geschäftsmodelle. Damit Deutschland als Wirtschaftsstandort digital wettbewerbsfähig bleibt, braucht es leistungsfähige Rechenzentrumsinfrastrukturen. Trotz dieser enormen Bedeutung von Rechenzentren bieten sich derzeit nicht ausreichende Möglichkeiten, dass diese gesamtwirtschaftliche Bedeutung auch in den Standortkommunen spürbar wird. 

Die unter dem Dach von eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. gegründete Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen begrüßt daher die Ankündigung des Koalitionsausschusses, den Zerlegungsmaßstab für den Gewerbesteuer-Messbetrag bei Rechenzentren neu zu regeln. Entscheidend ist aus Sicht der Allianz jedoch, dass eine Neuregelung zu einer gerechteren Verteilung des bestehenden Gewerbesteueraufkommens führt und nicht zu einer zusätzlichen Belastung oder Steuererhöhung für Rechenzentrumsbetreiber. 

„Rechenzentren sind keine gewöhnlichen Gewerbeansiedlungen. Sie sind die Fabriken der digitalen Wirtschaft“, sagt Volker Ludwig, Sprecher der Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen. „Wer Digitalisierung, KI, moderne Verwaltung und industrielle Wettbewerbsfähigkeit will, muss auch die Standorte stärken, an denen diese Infrastruktur entsteht.“ 

Bislang wird die Gewerbesteuer bei Unternehmen mit mehreren Standorten im Regelfall nach dem Verhältnis der gezahlten Arbeitslöhne verteilt. Für Rechenzentren greift dieser Maßstab zu kurz: Sie sind hoch investitions- und kapitalintensive Infrastrukturen, benötigen große Flächen, leistungsfähige Stromanschlüsse, Glasfaseranbindung und Planungssicherheit, beschäftigen am konkreten Standort aber oft vergleichsweise wenig Personal. 

„Kommunen stellen für Rechenzentren Flächen, Energieanschlüsse, Genehmigungsprozesse und Akzeptanz bereit. Sie ermöglichen Infrastruktur, von der die gesamte Volkswirtschaft profitiert“, so Ludwig. „Es ist nur folgerichtig, dass sich diese Leistung auch in der Gewerbesteuerverteilung widerspiegelt.“ 

Eine YouGov-Umfrage im Auftrag der Allianz zeigt: 60 Prozent der Befragten halten den weiteren Ausbau von Rechenzentren in Deutschland für wichtig oder sehr wichtig. 50 Prozent befürworten sogar einen Ausbau in der eigenen Region, nur 11 Prozent lehnen ihn ab. Das Problem ist aus Sicht der Allianz daher nicht die grundsätzliche Akzeptanz in der Bevölkerung, sondern bislang fehlende Anreize für Kommunen. 

Eine Neuregelung muss deshalb einem klaren Prinzip folgen: gerechter verteilen, nicht zusätzlich belasten. „Eine Reform der Gewerbesteuerzerlegung darf keine Steuererhöhung für RZ-Betreiber durch die Hintertür werden“, betont Ludwig. „Es geht um eine leistungsgerechtere Verteilung des bestehenden Gewerbesteueraufkommens zugunsten der Standortkommunen, nicht um höhere Standortkosten für Unternehmen.“ 

Als Vorbild kann der besondere Zerlegungsmaßstab bei Windenergieanlagen dienen. Dort ist nicht allein das Personal am Standort entscheidend, sondern die installierte Leistung beziehungsweise die konkrete Standortleistung der Anlage. Ein vergleichbares Prinzip sollte auch für Rechenzentren geprüft werden. 

„Ein fairer Gewerbesteuerschlüssel wäre ein starkes Signal: Rechenzentren schaffen nicht nur Wertschöpfung für einzelne Unternehmen, sondern Zukunftsfähigkeit für den gesamten Standort Deutschland“, sagt Ludwig.