Allianz zum Entwurf des Cloud and AI Development Act 

Der Entwurf zum Cloud and AI Development Act, der heute von der Kommission veröffentlich wurde, setzt an der richtigen Stelle an: Europa erkennt die Angebotslücke im Rechenzentrumsmarkt als strategisches Problem. Digitale Souveränität, KI-Innovation und Cloud-Wettbewerbsfähigkeit brauchen Rechenzentrumskapazitäten, Strom, Netze, Flächen und verlässliche Genehmigungen. 

Die vorgesehenen Data Centre Acceleration Zones können dafür ein wirksames Instrument sein. Wenn Mitgliedstaaten dort Planung, Netzanschlüsse, Flächenverfügbarkeit und Genehmigungen bündeln, entstehen bessere Bedingungen für zusätzliche Kapazitäten. Besonders wichtig ist die geplante Begrenzung der Genehmigungsverfahren auf zwölf Monate. Das wäre ein echtes Standortsignal für Europa. 

Umso wichtiger ist, dass diese Beschleunigung nicht durch praxisferne Nachhaltigkeitsvorgaben wieder ausgebremst wird. Dass die Europäische Kommission das europäische Rechenzentrumslabel vorerst nicht wie geplant vorlegt und den Entwurf weiter überarbeitet, ist deshalb richtig. Die Kritik aus der Rechenzentrumsbranche und aus mehreren Mitgliedstaaten zeigt, dass das Label in seiner bisherigen Form noch nicht ausreichend praxistauglich ist. Im Kern geht es darum, Standortrealitäten, unterschiedliche Geschäftsmodelle und wirtschaftliche Machbarkeit besser zu berücksichtigen. 

Rechenzentren müssen nachhaltig betrieben werden. Gleichzeitig müssen Anforderungen umsetzbar und wirtschaftlich tragfähig bleiben. Klimatische Bedingungen, Netzkapazitäten, Wasserverfügbarkeit, Wärmenetze und lokale Infrastruktur entscheiden maßgeblich darüber, welche Effizienzwerte an einem Standort technisch und wirtschaftlich erreichbar sind. Ein Label, das diese Unterschiede ignoriert, schafft keine Nachhaltigkeit, sondern Investitionsrisiken. 

Mehr Transparenz über Energieeffizienz, Wasserverbrauch, Energiebezug und Abwärmenutzung ist richtig. Daraus dürfen aber keine starren Mindestanforderungen entstehen, die neue Projekte verzögern oder verhindern. Pauschale Abwärmepflichten, übergranulare Herkunftsnachweise, starre Effizienzwerte oder unrealistische Anforderungen an Netzdienlichkeit würden den Ausbau nicht nachhaltiger machen, sondern langsamer, teurer und unsicherer. 

Mindeststandards und neue Grenzwerte sollten erst diskutiert werden, wenn belastbare Daten aus dem europäischen Reporting-System vorliegen. Europa braucht kein Label, das dringend benötigte Rechenzentrumskapazitäten abschreckt. Europa braucht ein praxistaugliches, technologieoffenes und einheitliches Label, das Transparenz schafft, Nachhaltigkeit stärkt und Investitionen ermöglicht. 

Der Cloud and AI Development Act kann ein Standortsignal für Europa werden. Dafür muss der regulatorische Rahmen insgesamt ein kohärentes Bild ergeben. Schnellere Genehmigungen, planbarere Netzanschlüsse und die Mobilisierung geeigneter Flächen tragen nur dann langfristig zur Stärkung des Standorts bei, wenn Nachhaltigkeitsanforderungen realistisch gestaltet sind. Wenn der Act Ausbau ermöglicht, stärkt er digitale Souveränität. Wenn parallel neue Hürden geschaffen werden, entstehen die benötigten KI- und Cloud-Kapazitäten woanders.