Die, unter dem Dach von eco – Verband der Internetwirtschaft gegründete Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen begrüßt gemeinsame europäische Standards für die Bewertung von Rechenzentren. Einheitliche Kennzahlen können Transparenz schaffen und unterschiedliche nationale Ansätze vermeiden. Doch ein Label ist nur so belastbar wie die Kriterien, auf denen es beruht.
Genau hier bleibt die finale Ausgestaltung hinter den Anforderungen zurück. PUE und WUE werden anhand einheitlicher Effizienzskalen bewertet, obwohl die erreichbaren Werte stark von den jeweiligen Standortbedingungen abhängen. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wasserverfügbarkeit beeinflussen maßgeblich, welche Kühltechnologien sinnvoll eingesetzt werden können und welche Energie- und Wassereffizienz technisch erreichbar ist. Eine Bewertung, die diese klimatischen Unterschiede nicht in der Skala selbst abbildet, kann daher zu einer verzerrten Vergleichbarkeit zwischen Rechenzentren in unterschiedlichen Regionen führen. Diese Unterschiede lediglich ergänzend zu erläutern, reicht nicht aus.
Hinzu kommt ein grundlegender Zielkonflikt: Energieeffizienz und Wassereffizienz lassen sich nicht immer unabhängig voneinander optimieren. Eine Kühlung, die den Energiebedarf senkt, kann den Wasserverbrauch erhöhen. PUE und WUE getrennt mit Effizienzklassen zu versehen, kann deshalb ein verzerrtes Bild erzeugen. Die Kennzahlen müssen im Zusammenhang betrachtet werden.
Das wird umso wichtiger, weil es längst nicht mehr nur um ein Informationslabel geht. Die Effizienzkennzahlen können künftig auch bei Nachhaltigkeitsanforderungen für neue Rechenzentrumsstandorte eine Rolle spielen. Aus einem Label darf deshalb kein regulatorischer Standortfilter werden. Wer Kennzahlen für Genehmigungen oder Mindestanforderungen nutzen will, muss sicherstellen, dass sie regionale Bedingungen und technische Zusammenhänge tatsächlich abbilden.
Für die jetzt diskutierten europäischen Mindesteffizienzanforderungen ist deshalb entscheidend: Keine pauschalen Grenzwerte für eine Infrastruktur, die nicht homogen ist. Rechenzentren unterscheiden sich bei Nutzung, technischer Ausstattung, Auslastung, Betriebsmodell und Standort erheblich. Eine Bewertungsskala muss diese Unterschiede adäquat abbilden können.
Die Allianz spricht sich daher für differenzierte, technologieneutrale Anforderungen auf einer belastbaren Datengrundlage aus. Europa braucht effiziente Rechenzentren und attraktive Bedingungen für Investitionen in digitale Infrastruktur. Beides darf regulatorisch nicht gegeneinander ausgespielt werden.
