Statement zur EnEfG-Novelle und Energiepolitik: Allianz warnt vor Standortnachteilen für Rechenzentren

Die unter dem Dach des eco – Verband der Internetwirtschaft gegründete Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen sieht in der aktuellen energiepolitischen Entwicklung weiterhin eine erhebliche Schieflage zulasten des Rechenzentrumsstandorts Deutschland und Europa. 

Sowohl die jüngsten Signale aus Brüssel als auch der vorliegende Referentenentwurf zur Novellierung des Energieeffizienzgesetzes zeigen: Rechenzentren werden regulatorisch weiterhin als Sonderfall behandelt, ohne dass gleichzeitig die notwendigen Rahmenbedingungen für wettbewerbsfähigen Betrieb geschaffen werden. Erwartete Entlastungen bleiben aus. So werden Rechenzentren im Rahmen des jüngst von der EU KOM freigegebenen deutschen Industriestrompreis nicht berücksichtigt. Das ist keine Überraschung, aber ein zunehmend problematisches Signal für Investitionen in digitale Infrastrukturen.  

Wie sensibel Investitionsentscheidungen auf die Stromkosten reagieren, zeigt auch der internationale Vergleich. So wurde kürzlich angekündigt, geplante Rechenzentrumsprojekte im Vereinigten Königreich nicht weiterzuverfolgen, unter anderem aufgrund hoher Energiekosten. Vor dem Hintergrund vergleichbarer Strompreisstrukturen verdeutlicht dies auch die Risiken für den Standort Deutschland 

Der Gesetzentwurf zur Novellierung des EnEfG verfolgt zwar grundsätzlich das richtige Ziel einer Harmonisierung mit der EU-Energieeffizienzrichtlinie, bleibt jedoch insbesondere im Bereich der Rechenzentren hinter einer echten Vollharmonisierung zurück. Nationale Sonderregelungen und weiterhin teils praxisferne Vorgaben führen zu weiterer Komplexität und Unsicherheit – gerade in einem Umfeld, in dem auf EU-Ebene bereits neue Effizienzstandards und ein einheitliches Labeling vorbereitet werden. 

Gleichzeitig bleibt die zentrale Standortfrage ungelöst: die strukturell hohen Stromkosten. Während Rechenzentren bereits heute erhebliche Anforderungen erfüllen – bis hin zur verpflichtenden vollständigen Deckung ihres Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien –, fehlen weiterhin wirksame Maßnahmen zur Entlastung bei den Energiekosten. Diese doppelte Belastung aus Regulierung und Kostenentwicklung steht in einem klaren Widerspruch zu den politischen Zielen, Deutschland als führenden Standort für digitale Infrastrukturen zu etablieren. 

Aus Sicht der Allianz braucht es daher eine konsistente Gesamtstrategie: eine konsequente europäische Harmonisierung der Regulierung ohne nationale Übererfüllung sowie spürbare und verlässliche Entlastungen bei den Stromkosten. Nur so lassen sich die Voraussetzungen schaffen, um die digitale Transformation und die damit verbundenen Investitionen in Rechenzentren nachhaltig in Deutschland und Europa zu sichern.“ 

Hier finden Sie unsere Stellungnahme zum Referentenentwurf der Novelle des Energieeffizienzgesetzes: https://www.eco.de/download/273212/?tmstv=1776439225