Berlin d. 10.02.2026 – Anlässlich des bekannt gewordenen Referentenentwurfs einer EnWG-Novelle zur Überarbeitung der Netzanschlussvergabe erklärt Dr. Béla Waldhauser, Sprecher der, unter dem Dach von eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. gegründeten Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen:
„Die Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen begrüßt ausdrücklich das Ziel der EnWG-Novelle, die Vergabe von Netzanschlüssen transparenter, digitaler und planbarer zu gestalten. Angesichts des stark wachsenden Bedarfs an Rechenzentren, Cloud- und weiteren digitalen Infrastrukturen ist eine Reform der bestehenden Netzanschlussverfahren dringend erforderlich, um Investitionen nicht durch langwierige und schwer kalkulierbare Prozesse auszubremsen.
Der im Entwurf angelegte Paradigmenwechsel weg vom Windhundprinzip hin zu einem First-ready-first-served-Ansatz kann einen wichtigen Beitrag zur effizienteren Nutzung knapper Netzkapazitäten leisten, wird sich jedoch nur dann bewähren, wenn die zugrunde gelegten Reifegradkriterien die planerischen Realitäten von Rechenzentrumsprojekten realistisch abbilden. In der Praxis lassen sich verbindliche Aussagen zu Baufortschritt, Genehmigungsstand oder Inbetriebnahmezeitpunkten häufig erst nach Sicherung des Netzanschlusses treffen, sodass eine zu starre Priorisierung Investitionsentscheidungen erschweren könnte.
Positiv bewertet die Allianz die vorgesehenen Verpflichtungen zur Digitalisierung und Transparenz, insbesondere die Einführung digitaler Netzanschlussportale sowie die verbesserte Bereitstellung von Informationen zur Netzanschlussverfügbarkeit auf Verteilnetzebene, da diese Maßnahmen die Planungssicherheit erhöhen und Verfahren beschleunigen können, sofern sie bundesweit einheitlich, nutzerorientiert und mit belastbaren Daten umgesetzt werden.
Kritisch zu begleiten sein wird die konkrete Ausgestaltung flexibler Netzanschlussvereinbarungen sowie der vorgesehenen Optionen zur Eigenfinanzierung von Engpassbeseitigungen, da hier ohne klare Leitplanken und verlässliche Fristen zusätzliche Komplexität und Investitionsunsicherheit drohen. Insgesamt stellt der Referentenentwurf einen wichtige Neuausrichtung des ordnungspolitischen Rahmens für den weiteren Ausbau digitaler Infrastrukturen dar, wobei sich erst in der praktischen Umsetzung zeigen wird, ob die neuen Regelungen tatsächlich zu einer beschleunigten, praxisnahen und investitionsfreundlichen Netzanschlussvergabe beitragen.“
